Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Mittwoch, 24. Oktober 2012

SABRIYE TENBERKEN: Mein Weg führt nach Tibet - Die blinden Kinder von Lhasa (Rezension)

Genre:

Dokumentation

Kurzbeschreibung:

"In Tibet sind sie Ausgestoßene: blinde Kinder. Seit die damals 27-jährige Sabriye Tenberken in der Hauptstadt Lhasa gegen hartnäckigen Widerstand die erste Blindenschule Tibets gründete, gibt es Hoffnung - und eine Zukunft. Kelsang Meto, »Glücksblume«, wird sie von den Kindern genannt. Und sie weiß, wie ihre Schützlinge sich fühlen - sie ist selber blind. Mit großer Zuneigung zu den Tibetern und ihrer ganz anderen Kultur erzählt Sabiye Tenberken von einem außergewöhnlichen Abenteuer, das häufig vor dem Scheitern stand." (Quelle: Klappentext)

Taschenbuch, 271 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch Verlag

Über die Autorin:

"Sabriye Tenberken, geboren 1970 in Köln, erblindete im Alter von zwölf Jahren. Sie hat Tibetologie, Soziologie und Philosophie studiert und kümmert sich seit 1998 zusammen mit ihrem Lebensgefährten Paul Kronenberg um das von ihnen gegründete Blindenzentrum in Lhasa, den Aufbau eines weiteren Zentrums im südindischen Kerala und die weltweite Arbeit für Blinde mit ihrer Organisation »Braille ohne Grenzen«." (Quelle: www.droemer-knaur.de)
 

Mein Fazit: 

Vielleicht beginne ich bei der heutigen Rezension einmal anders. Wie bin ich auf dieses Buch gestoßen?

Es ist schon einige Jahre her, da sah ich die Autorin Sabriye Tenberken in einer TV-Talkshow über ihr "Abenteuer" berichten.

Die Thematik hat mich berührt. Ich lebe in Marburg, einer Stadt, in der Blinde unwiderruflich und mit völliger Selbstverständlichkeit zum Stadtbild gehören. Auch die Autorin selbst hat übrigens während ihrer Schulzeit die Deutsche Blindenstudienanstalt in Marburg besucht.Doch nicht überall ist der Umgang mit Blinden so selbstverständlich wie eben hier in Marburg. Das Engagement und die Erzählungen von Frau Tenberken in besagter Talkshow haben mich sehr beeindruckt. Und neugierig gemacht.
So habe ich mir dieses Buch bestellt. Und dann.... Ist es wie so viele andere erst mal in mein Bücherregal gewandert, wo ich es nun, nach so langer Zeit wiederentdeckt und gelesen habe. Was ich, das weiß ich nun, schon viel früher hätte tun sollen. Denn es ist ein beeindruckendes Buch!

Zwar ist Sabriye Tenberkens Buch eine Dokumentation, doch liest sich diese flüssig, sogar mit Spannung, ja fast schon wie ein Abenteuer-Roman. Mit viel Gefühl und Einfühlungsvermögen hat die Autorin ihren Erfahrungsbericht aufgeschrieben.Sie schreibt über das Blindsein an sich, über ihre eigenen Erfahrungen mit der Blindheit, berichtet über die Umstände in Tibet für blinde Menschen im Allgemeinen und blinde Kinder im Speziellen. Und sie erzählt von ihrem langen und beschwerlichen Weg nach und in Tibet, an dessen Ziel der Aufbau der ersten Blindenschule in Tibet stand. Dies alles tut sie sachlich und doch mit sehr viel Fingerspitzengefühl und immer ohne anzuklagen.
Die Autorin schreibt über die Kinder, die als erste Schüler in ihre Schule kamen, berichtet über ihre Geschichten und ihr Leben, in einer Welt, in der Blinde wertlos sind. Menschen, deren Blindheit als Strafe angesehen wird, für Sünden, welche sie in einem früheren Leben begangen haben.

Obwohl Dokumentation, liest sich dieses Buch nicht wie eine trockene Abhandlung von Fakten. Im Gegenteil, es fällt geradezu schwer, das Buch aus der Hand zu legen, will man doch wissen wie es weiter geht, welches Ende die „Geschichte“ nun nehmen wird. Trotz aller Ernsthaftigkeit der Thematik, aller Anstrengungen, Entbehrungen, Ängste und Gefahren, die Sabriye Tenberken auf ihrem steinigen Weg durchleben und auf sich nehmen musste, ist es ihr ein Schreibstil gelungen, der den Leser mit seiner Leichtigkeit stellenweise fast vergessen lässt, dass er sich hier nicht in einer spannungsreichen Abenteuergeschichte befindet. Von Zeit zu Zeit muss sich der Leser wieder in Erinnerung rufen, dass es hier um echte Menschen geht und was die Ereignisse für jeden einzelnen von ihnen und ihre Leben bedeuten.

Mein Eindruck zu diesem Buch in einem Satz zusammengefasst?
Ein Buch das nachdenklich macht, den Leser berührt und betroffen macht, ohne zu betrüben.

Noch kurz angemerkt:

Das Buch hat mich gefesselt von Beginn bis Schluss. Und es hat mich tief beeindruckt zurückgelassen, mit dem Wunsch mehr zu erfahren. Im Internet bin ich schnell fündig geworden: 

Weitere Informationen zum Blindenprojekt in Lhasa finden sich auf den Seiten der Organisationen „Förderkreis Blinden-Zentrum Tibet – Braille ohne Grenzen e.V.“ und „Braille without Borders“. Hier finden sich auch Beschreibungen und Bilder der Blindenschule in Lhasa. Mittlerweile gibt es weitere Projekte.
In ihrem Buch „Das siebte Jahr: Von Tibet nach Indien“ erzählt Sabriye Tenberken außerdem, wie es mit „ihren“ ersten Kindern weiterging. (Ich habe es bereits bestellt, wenn ich es gelesen habe, werde ich berichten.)


Meine Bewertung:

*4½ Sterne*

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Die hier rezensierte Auflage des Buches ist vergriffen und wird vom Knaur Verlag nicht mehr aufgelegt. Das Buch ist nun unter gleichem Titel erhältlich im Verlag Kiepenheuer & Witsch (als Taschenbuch und eBook).

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