Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Sonntag, 10. Februar 2013

Sabriye Tenberken: Mein siebtes Jahr - Die blinden Kinder von Tibet (Rezension)

Sabriye Tenberken - Mein siebtes Jahr
(Auflage vergriffen - neuer Titel (s.u.))

Genre:

Dokumentation

Kurzbeschreibung:

"Abenteuer im Himalaja
Sabriye Tenberken, selbst als junges Mädchen erblindet, gründete vor zehn Jahren in Tibet ein Zentrum für die blinden Kinder von Lhasa. Dort leben und lernen Tashi, Tendsin und all die anderen, die von ihren Familien aufgegeben wurden. In diesem Buch erzählt Sabriye Tenberken die berührenden Lebensgeschichten ihrer Schützlinge und berichtet von ihrem außergewöhnlichen Abenteuer: der dramatischen Besteigung des Siebentausenders Lhagpa Ri im Himalaja.
Ein Buch, das Mut macht und zeigt, dass es sich lohnt, die eigenen Gipfel zu bezwingen."
(Quelle: Verlags-Klappentext)

Taschenbuch, 288 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch Verlag (*)
ISBN: 3426780259

(*) Das Buch ist unter diesem Titel im Knaur Taschenbuch Verlag nicht mehr erhältlich. Es wird nun vertrieben vom Verlag Kiepenheuer & Witsch in der unter dem Titel "Mein siebtes Jahr - Von Tibet nach Indien" (gebundene Ausgabe / eBook / Audio-Buch-CD).

Über die Autorin:

"Sabriye Tenberken ist seit Geburt sehgeschädigt. Eine angeborene fortschreitende Netzhaut-Degeneration führte langsam zur Erblindung. Nach dem Abitur an der Blinden-Studien-Anstalt in Marburg, studierte sie an der Friedrich-Willhelms-Universität in Bonn Zentral-Asien-Wissenschaften, mit den Schwerpunkten "Tibet" und "Mongolei". Da sich zuvor noch kein Blinder an den Studiengang der Zentralasien-Wissenschaft gewagt hatte, konnte Sabriye Tenberken auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen und musste eigene Methoden zur Bewältigung des Studiums entwickeln. So entwickelte sie im Jahre 1992 die tibetische Blindenschrift, die es bis dahin noch nicht gab.

Im Sommer 1997 reiste sie erstmals ohne sehende Begleitung nach Tibet. Ihr Interesse galt im Besonderen den Lebensbedingungen blinder Menschen speziell im tibetisch-sprachigen Raum. 1998 gründete sie zusammen mit Paul Kronenberg die Organisation Braille Ohne Grenzen e.V. – Braille Without Borders. Sie eröffneten ein Rehabilitations- und Trainingszentrum in Lhasa und später die Trainingsfarm in Shigatse.

Seit 2008 lebt sie zusammen mit Paul Kronenberg in Indien (Kerala), wo beide das IISE-Institut (International Institute for Social Entrepreneurs) gründeten."
(Quelle: Braille without Borders)

Mein Fazit:

Mit "Mein siebtes Jahr" habe ich bereits das zweite Buch von Sabriye Tenberken gelesen. Nach der Lektüre von "Mein Weg führt nach Tibet - Die blinden Kinder von Lhasa" (Rezension HIER) blieb eine gewisse wohlwollende Nachdenklichkeit und der Wunsch, zu wissen, wie es mit den "ersten Kindern" von Lhasa weiterging. Genau damit beschäftigt sich hier beschriebene zweite Buch.

Vorab, der Titel und die Beschreibung des Buches sind ein bisschen irreführend, steht doch hiernach scheinbar das recht ehrgeizige Bergsteiger-Projekt im Mittelpunkt. So ist es auch und eben doch auch wieder nicht. Als ich das Buch bestellt habe war ich ein wenig skeptisch. Denn ich hatte die Befürchtung, das Buch könnte eine medienwirksame, effekthascherische Beschreibung genau dieses Bergsteiger-Projektes sein und die Geschichten und Schicksale der betroffenen Kinder würde dabei eher in den Hintergrund rücken. Glücklicherweise konnte ich schnell feststellen, dass meine Befürchtungen völlig unberechtigt waren. Auch in ihrem zweiten Buch schreibt die Autorin mit viel Gefühl, Wertschätzung und Respekt über die Schicksale der einzelnen Kinder ihrer Schule und auch über ihr eigenes Leben in Tibet, ihre Sorgen und Herausforderungen bei der Verwirklichung ihres Hilfsprojektes. 

Das ehrgeizige Vorhaben eines blinden Bergsteigers mit ebenso blinden Kindern einen Himalaja-Gipfel zu besteigen bildet hierbei die Rahmenhandlung, wirkt aber zu keiner Zeit sensationslüstern. Ein Filmteam begleitet das Projekt, ein Dokumentarfilm soll nicht nur das Projekt an sich, sondern auch die Lebensgeschichten der Kinder beleuchten. Geschickt und mit viel Feingefühl nutzt die Autorin Sabriye Tenberken die hierbei ans Licht kommenden Informationen, Berichte der Kinder zu ihren eigenen Schicksalen und Erlebnissen. In Form von Rückblicken und Erzählungen (auch aus Sicht der Kinder), bettet die Autorin deren Lebensgeschichten in die "Berichterstattung" über den Verlauf des Bergsteiger-Projektes ein, bei dem es um viel mehr geht, als "nur" die Besteigung eines Siebentausenders.

Wenngleich auch nicht ganz so gut wie das erste Buch, hat mir auch die Fortsetzung sehr gut gefallen, steht sie doch dem Vorgänger nur einen kleinen "Ticken" nach. Auch hier ist es der Autorin erneut gelungen, die Story interessant zu gestalten. Das Buch liest sich erneut fast schon wie ein Abenteuer-Roman, hinterlässt nicht im geringsten den Eindruck einer "trockenen Doku-Abhandlung", durch die es sich durchzuquälen gilt. Es liest sich flüssig, lässt immer wieder auch eine gewisse Spannung aufkommen, der Leser fühlt, lacht, freut und leidet mit den einzelnen Personen und ihren ganz persönlichen Geschichten. Sabriye Tenberken schafft es, ohne den erhobenen Zeigefinger, auf die schwierige Lage "ihrer" blinden Kinder und Blinder im Allgemeinen in Tibet aufmerksam zu machen, den Leser nachdenklich zu stimmen, ihn betroffen zu machen, ohne jedoch ein schales Gefühl bei ihm zu hinterlassen.

FAZIT:
Sicher für viele keine "Standard-Alltagslektüre", doch ich kann dieses Buch trotzdem nur jedem empfehlen!
*4 Sterne*

Bildquelle:

Der Film:

Der Film "Blindsight" ist das Produkt der oben beschriebenen Begleitung des Bergsteiger-Projektes durch ein Filmteam. Laut Cover-Beschreibung "ein intensiver, ungewöhnlicher Film über die Kraft von Freundschaft, Solidarität und Liebe. Er vermittelt uns, dass wir alle Ziele erreichen können, wenn wir den Weg gemeinsam gehen und an unsere innere Kraft glauben."

Die DVD habe ich bereits im Schrank, wenn ich sie angeschaut habe, gebe ich hier noch mal eine kleine Bewertung für euch ab.



Weitere Information:

Weitere Informationen zum Blindenprojekt in Lhasa, der Trainingsfarm in Shigatse sowie dem neuen Projekt in Kerala (Indien) finden sich auf den Seiten der Organisation "Förderkreis Blinden-Zentrum Tibet - Braille ohne Grenzen e.V." und "Braille without Borders".
Hier finden sich auch Beschreibungen und Bilder der Blindenschule.
Es besteht die Möglichkeit den Förderverein durch Mitgliedschaft und Spenden zu unterstützen.


(Quelle: KiWi-Verlag)
Die hier rezensierte Version des Buches ist vergriffen und wird vom Knaur-Verlag nicht mehr aufgelegt. Es ist nun im Verlag Kiepenheuer & Witsch erhältlich unter dem Titel "Das siebte Jahr - Von Tibet nach Indien".

Gebundene Ausgabe, 272 Seiten
ISBN: 3462036912
(auch als eBook & Audio-Buch-CD erhältlich)

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