Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Mittwoch, 21. August 2013

CARLOS RUIZ ZAFÓN: Der Schatten des Windes [Hörspiel-Rezension]

Heute Mal ein etwas anderes Posting. Ja, klar... Eine Rezension, natürlich. Doch nicht nur eine Rezension, denn ich habe ja auch ein kleines Experiment versprochen!!!
Erst vor kurzem gab es hier auf meinem Blog die Rezension [HIER] zum ungekürzten Hörbuch vom »Schatten des Windes« in der englischsprachigen Fassung. Und da hab ich mir doch die Frage gestellt: Wie unterscheiden sich wohl ungekürztes Hörbuch (17:38 h) und das "ungekürzte" Hörspiel (2:34 h)?
So habe ich nun auch noch das Hörspiel gehört und kann somit von meinem kleinen Experiment Bericht erstatten. Hört also am Ende der Rezi auf keinen Fall auf zu lesen, wenn ihr Interesse am Ausgang meines kleinen Experiments habt! ;-)

Doch nun, zuerst zur gewohnten Rezension...


(Bildquelle: audible.de)

Genre:

Roman / Erzählung


Kurzbeschreibung:

"Unaussprechliche Geheimnisse, unglückliche Lieben und dramatische Schicksale vor dem Hintergrund des Barcelona der 50er Jahre: Zu spanischen Klängen und dem Gemurmel der nächtlichen Großstadt entführt das Hörspiel in die geheimnisvolle Welt der Bibliotheken und vergessenen Bücher. Auf der Suche nach Julián Carax, dem geheimnisumwitterten Autor, verlieren sich die Schritte Daniels im undurchschaubaren Labyrinth der verwinkelten Gassen und verlassenen Paläste. Und nur eines ist sicher: Diese Geschichte wird nicht nur Daniel ein Leben lang begleiten ...

Das Stimmengewirr von Barcelona, das gedämpfte Raunen der Bibliotheken und die Stimmen schöner Frauen werden zum Hörerlebnis. Mit Matthias Schweighöfer als Daniel und Erzähler, Michael Habeck als Fermin Romero de Torres, Sylvester Groth als Julián Carax und Laín Coubert und vielen anderen."
(Quelle: Verlagstext: der Hörverlag)

Hörspielfassung
Sprecher: Matthias Schweighöfer, Michael Habeck, Sylvester Groth u.v.a.
Laufzeit: 2h 34min
Erschienen bei der Hörverlag
Eine Produktion des Insel Verlags und des Westdeutschen Rundfunks.

Als ungekürztes Hörbuch nur in der englischen Übersetzung verfügbar (alle Infos HIER).


Über den Autor:

"Carlos Ruiz Zafón wurde in Spanien einhellig als die literarische Sensation des Jahres 2002 gefeiert. Mit seinem Roman »La sombra del viento« (dt. »Der Schatten des Windes«) katapultierte er sich an die Spitze der Bestseller-Listen. 
Der Autor, geboren am 25. September 1964 in Barcelona, besuchte die Jesuitenschule Sarrià. Dieses gotische Schloß in seiner Geburtsstadt, mit Türmen und geheimen Gängen, regte seine kindliche Phantasie und die Lust aufs Geschichtenerzählen an.
Beruflich war er später zunächst in einer Werbeagentur tätig. 1993 erhielt der damals 29jährige für seinen ersten Roman »El príncipe de la niebla« (dt. »Der Fürst des Nebels«, 1996) einen Jugendliteraturpreis und hat seitdem die Romane »El palacio de la medianoche«, »Las luces de septiembre« und »Marina« veröffentlicht. Seit 1994 lebt er in Los Angeles, arbeitet als Drehbuchautor und schreibt für die spanischen Tageszeitungen El País und La Vanguardia."

Mehr Infos auf der Homepage des Autors (span. & engl.).


Hörprobe:

Zur Hörprobe der deutschen Hörspiel-Ausgabe bei audible: HIER 
Zur Hörprobe des ungekürzten Hörbuchs (englisch) bei audible: HIER

Mein Fazit:    

Vielleicht eins vorab, natürlich beurteile ich das Hörspiel nicht ganz unbeeinflusst, denn ich habe mich ja immerhin gerade erst durch das ungekürzte Hörbuch gekämpft. 
In meiner Rezension hierzu (HIER) habe ich bereits berichtet, dass ich, nach den hohen Erwartungen, welche all die Lobpreisungen in Presse sowie von Freunden und Bekannten in mir geweckt hatten, doch ein wenig enttäuscht war. 
Das Hörspiel hat mir hingegen ein wenig besser gefallen, wenn auch auf andere Art. Es ist eben doch etwas ganz anderes als ein ungekürzt eingesprochenes Buch.

Die verschiedenen Sprecher, die Hintergrundgeräusche, all das erweckt das durchaus ohnehin plastische Bild, welches Zafón in seinen Erzählungen von Barcelona geschaffen hat, zum Leben. Die Sprecher machen ihre Sache gut, lassen so wirkliches "Kino im Kopf" entstehen und den Hörer tief in die von Zafón erschaffene Welt um Daniel, Julián und den sombra del viento eintauchen.
Zur Geschichte an sich möchte ich hier nicht mehr viel erzählen, denn dazu habe ich mich ja schon ausführlichst in meiner Rezension zu »The Shadow of the Wind« geäußert. Nur soviel: Insgesamt eine schöne, vielleicht sogar außergewöhnliche Geschichte. Trotzdem hatte ich viel mehr eine sagenumwobene Erzählung um den geheimnisvollen Friedhof der vergessenen Bücher erwartet, der hier zwar eine durchaus wichtige, dennoch in meinem Augen aber eher kleine Rolle am Rande des Ganzen spielt. Schade, das hatte ich mir eben leider anders vorgestellt.

Trotzdem muss ich sagen, das Hörspiel hat mir gut gefallen. Wenngleich auch viele Inhalte wohl der Länge wegen dem Rotstift zum Opfer gefallen sind. An der ein oder anderen Stelle tut dies Zafóns Werk wohl gar nicht schlecht, an anderer geht es mir dadurch aber doch ein wenig schnell.
An der Produktion des Hörspiels gibt es hingegen nix zu meckern. Wer bereits andere Hörspiel-Produktionen des WDR kennt, weiß, dass diese in der Regel von erstklassiger Qualität sind. So hat der WDR, in Zusammenarbeit mit dem Insel-Verlag auch diesmal wieder auf eine hochkarätige Besetzung mit einer Vielzahl von Sprechern gesetzt und die einzelnen Charaktere sowie deren Umgebung mit einer unglaublichen Vielfältigkeit in Szene gesetzt.

Alles in allem denke ich, kann ich die Lektüre dieses Hörspiels durchaus weiterempfehlen. Wer das Buch oder das Hörbuch kennt, tut jedoch sicher gut daran, zwischen dem Genuss des Buches und des Hörspiels eine gute Weile vergehen zu lassen. Denn für die ausführliche Lektüre einer der ungekürzten Varianten ist das Hörspiel sicher doch kein vollwertiger Ersatz.

FAZIT:
Das Hörspiel betont noch mehr die leicht geheimnissvoll-mystische Stimmung, die Zafón geschaffen hat. Hörenswert, aber eben doch arg gekürzt!
*4 Sterne*



Die komplette Barcelona-Reihe um den Friedhof der vergessenen Bücher:

»Der Schatten des Windes« bildet den Auftakt der Reihe um den Friedhof der vegessenen Bücher. Insgesamt wird es vier Bände geben. Hier die Titel in chronologischer Reihenfolge:

  • Der Schatten des Windes   The Shadow of the Wind ♦ OT: La sombra del viento
  • Das Spiel des Engels   The Angel´s Game ♦ OT: El juego del ángel
  • Der Gefangene des Himmels   The Prisoner of Heaven ♦ OT: El prisionero del cielo
  • Der vierte und abschließende Band ist derzeit in Arbeit....



Und nun zu meinem kleinen Hörbuch-Hörspiel-Experiment
:

Hörbuch vs. Hörspiel - Der Vergleich

Zunächst einmal vorab, die Bedingungen für mein Experiment sind sicher nicht so ganz ideal. Denn wie sich meiner Rezension zum ungekürzten Hörbuch entnehmen lässt, war ich davon nun mal weniger begeistert als erwartet. Das Hörspiel hat mich hingegen wieder ein wenig versöhnt. 
Aber spricht das nun für´s Hörspiel oder nicht? Vielleicht ein bisschen von beidem.

Für gewöhnlich höre ich nicht gern gekürzte Varianten von Büchern, egal in welcher Form auch immer. Ob gekürztes Hörbuch, gekürzte Lesung (wo ist da eigentlich der Unterschied??) oder Hörspiel, auch wenn es noch so gut gemacht ist, bleibt da doch immer der "Mir fehlt da was"-Gedanke im Hinterkopf. Deshalb höre ich in der Regel grundsätzlich nur ungekürzte Hörbücher und greife nur in der allergrößten Not auf eine gekürzte Variante zurück. Meistens lese ich dann das Buch doch lieber selbst, als mir eine gekürzte Fassung anzuhören.

Der "Mir fehlt da was"-Aspekt ist sicherlich auch hier ein entscheidender Knackpunkt. Natürlich ist mir dieser nun auch besonders aufgefallen, da ich beide Versionen direkt nacheinander gehört habe, aber das war ja auch Sinn und Zweck des ganzen Experimentes.
Immer wieder gingen mir Gedanken durch den Kopf, wie: "Hmmm.... da fehlt aber jetzt ganz ordentlich was" und "ouups... das ging jetzt aber schnell" oder auch "hmmm.... ob ich das jetzt verstanden hätte, wenn ich nicht schon wüsste, worum es geht?".
Wahrscheinlich schon, denn wenn ich das Buch nicht schon gekannt hätte, wäre es mir wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Dennoch für mich ein Minuspunkt für das Hörspiel. So gut es auch produziert ist, eine komplexe Handlung von immerhin fast 18 Stunden in der ungekürzten Variante in einem Hörspiel von gut 2½ Stunden unterzubringen, das ist nun mal extrem schwierig. Ist das nicht auch der Grund, warum die meisten Filme, und seien sie noch so aufwändig produziert, dem Buch hinterher hinken?
Andererseits hatte ich stellenweise aber auch den Eindruck, dass die ein oder andere Kürzung dem Werk von Zafón durchaus auch gut getan hat. Wie in meiner Rezension schon berichtet, haben mich die zum Teil seitenlangen, äußerst ausführlichen Beschreibungen und Monologe diverser Familien-, Lebens- und Liebesgeschichten auch unglaublich gelangweilt. So wunderbar es Zafón gelingt eine faszinierende Stimmung zu schaffen, so unbeschreiblich lange kann er aber auch brauchen, bis er an manchen Stellen auf den Punkt kommt. Es ist sicher Geschmackssache und viele Zafón-Fans werden mich für diese Aussagen wahrscheinlich steinigen wollen. Aber in meinen Augen hat das Hörspiel mit seinen notwendigen Kürzungen hier durchaus auch ein gutes Werk getan. Somit ist die Kürze des Hörspiels NICHT NUR ein Minus-, sondern an manchen Stellen auch ein Plus-Punkt.

Ein riesen Pluspunkt für das Hörspiel ist natürlich die Produktion mit der Vielzahl zum Teil sehr hochkarätiger Sprecher und der Einspielung der Hintergrundgeräusche.
Unabhängig vom jeweiligen Bekanntheitsgrad der einzelnen Sprecher machen sie ihren Job in der Produktion zu »Der Schatten des Windes« alle erstklassig. Die Vielfalt der Stimmen im Zusammenspiel mit den wirklich gut inszenierten Hintergrundgeräuschen lässt Zafóns Barcelona der 50er Jahre in einer Plastizität im Kopf des Hörers "auferstehen", als sei er mittendrin. Die geheimnisvolle Stimmung, die Zafón seinem Werk mitgegeben hat, ist fast körperlich spürbar und lässt den Hörer tief in eine Welt eintauchen, die längst vergangen ist.
Auch im Hörbuch ist dies schon deutlich spürbar, denn hier sind es sicher gerade Zafóns ausführliche Beschreibungen und sein stimmungsvoller Schreibstil, der den Leser / Hörer in diese geheimnisvolle, fast mystische Welt führt. Daniel Philpott, der Sprecher der englischsprachigen Fassung, tut mit seiner unglaublich variantenreichen Stimme sein übriges dazu. Dennoch ist das Hörspiel hier natürlich klar im Vorteil.

Tja, was soll ich sagen. Letzten Endes muss wahrscheinlich trotzdem jeder für sich selbst entscheiden, welche Variante er wählt. Hörbuch oder Hörspiel? Ich würde beides empfehlen. Auf die Reihenfolge und den "Lese-Zeitpunkt" kommt es an.
Trotz all der positiven Aspekte des Hörspiels (und meiner persönlichen Auffassung, dass Zafóns Werk einfach um etwa ein Drittel zu lang ist), würde ich wohl doch jederzeit wieder zum ungekürzten Hörbuch als erste Wahl greifen. Denn nur hier kann ich sicher sein, dass ich auch wirklich alle Aspekte des Buches mitbekomme und nichts verpasse.
Das Hörspiel würde ich trotzdem hören. Aber später! Zumindest bei einem Buch, dass mir gut gefallen hat. Wenn ich Spaß bei der ausführlichen Lektüre (egal ob nun lesen oder hören) hatte, würde ich mir später immer gern noch mal das Hörspiel anhören. Natürlich nachdem ein entsprechender Zeitraum vergangen ist. Es gibt doch so viele Bücher, bei denen man nach Abschluss der Lektüre denkt: Oh, wie gern würde ich jetzt noch weiterlesen...
Und da käme dann das Hörspiel ins Spiel....   :-)

Alles in Allem bleibe ich also wohl auch nach diesem Experiment bei meiner Auffassung:
Hörbücher! Und zwar grundsätzlich ungekürzt!!! Hörspiele? Ja... zum Nachtisch!  :-)



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