Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Sonntag, 2. Februar 2014

MICHAEL HJORTH & HANS ROSENFELDT: Die Toten, die niemand vermisst [Hörbuch-Rezension]

Start ins neue Lese-Challenge-Jahr 2014...
Mit »Die Toten, die niemand vermisst« ist das erste Buch für gleich alle drei Challenges, an denen ich in diesem Jahr teilnehme, erledigt!   :-)


(Bildquelle: Audiobuch Verlag)

Genre:

Krimi / Thriller

Kurzbeschreibung:

"Sebastian Bergman, Kriminalpsychologe.
Ganz nah am Abgrund. Beruflich und privat.

In den Bergen von Jämtland stürzt eine Wanderin ab. Sie überlebt. Jemand anderes hatte dafür weniger Glück: Aus der Erde vor ihr ragen die Knochen einer Hand. Die Polizei vor Ort birgt sechs Leichen, darunter die zweier Kinder. Alle per Kopfschuss getötet. 

Stockholm wird um Verstärkung gebeten, und Kommissar Höglund reist mit großem Tross in die Provinz. Doch die Ermittlungen stehen unter keinem guten Stern. Den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman plagen private Probleme, Spannungen belasten das ganze Team. Und auch der Fall entpuppt sich als kompliziert. Die Identität der Toten gibt Rätsel auf, niemand vermisst sie.

Als Höglund und Bergman endlich auf eine brauchbare Spur stoßen, schaltet sich der schwedische Geheimdienst ein ...
"   
(Quelle: Verlagstext rowohlt Verlag)

Ungekürzte Hörbuchfassung
Sprecher: Douglas Welbat
Laufzeit: 17h 01min
Erschienen im Audiobuch Verlag.
Erhältlich als:
- Taschenbuch
- ungekürzte Hörbuchfassung (Download)
- gekürzte Hörbuchfassung (CD & Download)
- eBook

Über die Autoren:

"Michael Hjorth, geboren 1963, ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und Drehbuchautor. Er schrieb u.a. Drehbücher für die Verfilmungen der Romane von Henning Mankell."

"Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, ist in Schweden ein beliebter Radio- und Fernsehmoderator und ein gefragter Drehbuchautor, zuletzt schrieb er die Vorlage für die ZDF-Koproduktion The Bridge."  
(Quelle: Autoren-Infos Rohwohlt Verlag)

Über den Sprecher:

Douglas Welbat wurde 1957 als Sohn des Schauspielerehepaares Sigrid Hackenberg und Alexander Welbat in Berlin geboren. Nicht nur als erfolgreicher Hörbuchsprecher leiht er seine Stimme. Als Synchronsprecher ist er in einer Vielzahl von Film- und Fernsehproduktionen zu hören. Darüber hinaus arbeitet er auch als Schauspieler, Drehbuchautor, Filmproduzent und Regisseur. 

Hörproben:

Zur Hörprobe bei audible.de geht es HIER.
Zur Hörprobe beim Audiobuch-Verlag geht es HIER.
(Die Buttons unter den Covern.)

Mein Fazit:

Mein nunmehr dritter Sebastian Bergman. Was soll ich sagen? Es fällt mir langsam ein bisschen schwer, diese Rezension zu schreiben, ohne mich einfach nur zu wiederholen.
Auch diesmal bin ich wieder sehr zufrieden mit der Lektüre, wobei es hier die gleichen positiven Aspekte gibt, wie auch im Prinzip wieder die gleichen Dinge, die mich auch ein wenig stören, an die ich mich aber von Buch zu Buch immer ein wenig mehr gewöhne. Somit bleibt es sternemäßig beim gleichen Gesamtergebnis, wie schon bei den beiden Vorgängern.

Was heißt das nun genau? Insgesamt ist das Buch wieder äußerst spannend, auch wenn es zwischendrin eben immer mal wieder seine Längen hat, ohne dabei jedoch langweilig zu sein.
Ein Unterschied zu den handlungsmäßig "rein schwedischen" Vorgängern ist, dass es diesmal "international" wird. Zunächst ist alles erst mal recht ominös. Es gibt Leichen, die viele, viele Rätsel aufgeben und es sieht so aus, als sei hier überhaupt kein Weiterkommen. Dann gibt es da noch einen weiteren Handlungsstrang, der erst einmal in so gar keinem Zusammenhang zur Handlung und auch zu unseren wohlbekannten Mitgliedern der Reichsmordkommission zu  stehen scheint.
Erst ganz langsam entwickelt sich das Ganze zu einem Gesamtbild, der Leser bleibt lange im Unklaren, was die Lektüre spannend hält. Die Autoren bedienen sich diesmal der "Trickkiste der internationalen Verschwörungsthriller". Das macht es einerseits spannend, wirkt dennoch auch etwas gewöhnungsbedürftig. International verschwörerische Thrillerstimmung mitten in einem "beschaulichen Schwedenkrimi"? Vielleicht doch ein bisschen dick aufgetragen? Irgendwie ein wenig "unglaubwürdig" einerseits, trotzdem aber auch spannend andereseits und so habe ich mich darauf eingelassen und das Ganze eben einfach genossen.

Auch die "persönliche Note" der Bergman-Bücher ist wie gewohnt vorhanden. Ob es eine spezielle Eigenart der Bücher von Hjorth & Rosenfeldt ist oder vielleicht einfach der besondere Stil von skandinavischen Krimis bzw. deren Autoren im Allgemeinen, das vermag ich nicht zu beurteilen. Denn bisher war ich kein Fan von nordischen Krimis oder Thrillern und so sind die Bergman-Bücher auch meine ersten dieser Art. 
Auf jeden Fall kommt auch hier die persönliche, private Seite der einzelnen Protagonisten viel mehr zum Tragen, als ich das aus den meisten anderen Werken dieses Genres von den amerikanischen, englischen oder auch deutschen Autoren gewohnt bin. Durch oft auch längere Passagen zum Privatleben der verschiedenen Charaktere, zu ihrer persönlichen Situation oder ihrer Vergangenheit, tritt die eigentliche Krimi-Handlung häufig etwas in den Hintergrund, was die Spannung hier und da einbrechen lässt. Trotz dieses stellenweisen "Spannungs-Abfalls" wird es aber dennoch nicht uninteressant. Und mit nunmehr dem dritten Buch muss ich sagen, dass ich mich von Mal zu Mal mehr daran gewöhne und es mich mittlerweile gar nicht mehr so stört. Es ist ein anderer Stil, doch je mehr ich von den Protagonisten erfahre, desto besser gefällt mir diese Art. Trotzdem finde ich noch immer, dass an manchen Punkten weniger durchaus mehr sein könnte. Schließlich sind die Bücher durchweg ja doch ziemliche Wälzer.

Aber dieser persönlich-private Stil der Autoren macht natürlich auch etwas mit dem Leser. Gerade was Sebastian Bergman angeht, bringen die vielen persönlichen Hintergrundinformationen den Leser ins Grübeln. Bergman ist immer noch oder vielleicht auch eher immer mehr ein Charakter, der die Leser wieder und wieder in Zwiespalt bringt. Mit jedem Buch entwickelt er sich, wird etwas weicher, kommt dem Leser immer wieder ein Stück näher. Nicht aber, ohne im entscheidenden Moment dann doch wieder etwas zu tun, was die gerade entstehende Sympathie und Nähe wieder ein Stück zu Nichte macht, ihn quasi wieder zu dem "Arschloch" macht (entschuldigt die Wortwahl), als das er sich von der ersten Seite der Reihe an gibt. Mittlerweile hat sich die Reaktion des Lesers (zumindest meine) jedoch ein wenig gewandelt von einem ablehnenden "Mein Gott, er ist und bleibt eben doch ein Ar...!" hin zu einem eher mitfühlenden "Ach Mensch, nicht schon wieder, jetzt mach dir doch nicht schon wieder alles kaputt!". Es bleibt also mit Spannung abzuwarten, welche Entwicklung Sebastian Bergman und seine Beziehung zum Leser in den weiteren Büchern der Reihe wohl noch nehmen wird.

Die Auflösung des Falls ist gewohnt schlüssig und so bleiben beim Leser keine Fragen offen, die ihn mit der Handlung unzufrieden zurücklassen. Womit der Leser wohl dennoch unzufrieden zurückbleibt, ist das äußerst offene (und böse!?!) Ende. Denn auch diesmal lassen es sich die Autoren nicht nehmen, ihr aktuellstes Werk mit einem hoch dramatischen Cliffhanger enden zu lassen. Einem Cliffhanger, der den Leser quasi mit einem Aufschrei registrieren lässt, dass das Buch tatsächlich so abrupt endet und er einfach nicht mehr erfahren wird. Zumindest nicht, bevor der vierte Teil in die Buchläden kommt. Und das wird wohl nicht vor Herbst 2014 der Fall sein.....

Zum guten Schluss brauche ich wohl zum Sprecher nicht mehr viel zu sagen. Er macht seine Sache gewohnt gut und souverän, sowie auch schon in den beiden Vorgängern und wer meine Rezensionen zu Band 1 und Band 2 gelesen hat, der ist über Douglas Welbats Sprecherqualitäten bereits voll im Bilde.... 

FAZIT:
Gewohnt guter Lese- bzw. Hörstoff, diesmal sogar mit "internationalem Thriller-Flair".
*4 Sterne*

Sebastian Bergmann-Krimis

»Die Toten, die niemand vermisst« ist der dritte und bisher letzte Titel der Reihe des Autoren-Duos Hjorth & Rosenfeldt um Sebastian Bergman. Und soviel kann ich schon verraten: Es wird wohl nicht der letzte bleiben, denn auch diesmal enden die Autoren in einem ziemlich "gemeinen" Cliffhanger....
Ich empfehle schon, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

In dieser Reihe bisher erschienen:
  • Der Mann, der kein Mörder war (Rezension)
  • Die Frauen, die er kannte (Rezension)
  • Die Toten, die niemand vermisst
  • Das Mädchen, das verstummte (Rezension)
  • Feste Feiern, wie sie fallen (Bergman-Kurzgeschichte) (Rezension)

Laut einem auf buecher.de zu findenden, sehr interessanten Autorenportrait, haben die Autoren übrigens ursprünglich angekündigt, "sie würden jedes Jahr ein Bergman-Buch schreiben und nach fünf Jahren damit aufhören". Ob sie dieses Vorhaben, nach dem unerwartet großen Erfolg ihrer Sebastian Bergman-Reihe, tatsächlich nach der Veröffentlichung des fünften Buches in die Tat umsetzen, das bleibt wohl abzuwarten. Schade wäre es wohl, aber noch glaube ich auch nicht so recht daran....  ;-)
In einem ebenfalls hier abgedruckten Interview kündigen die Autoren den 4. Band übrigens für Herbst 2014 an. 


Kommentare:

  1. Ich lese gerade Der mann, der kein Mörder war, aber irgendwie komme ich nicht so voran. Woran es liegt, weiß ich nicht, wahrscheinlich daran, dass es sich doch immer mal wieder etwas zieht. Auf alle Fälle habe ich keine Probleme, das Buch aus der Hand zu legen oder auch mal 1-2 Tage nicht zum Lesen zu kommen - ein nicht ganz so gutes Zeichen ;)

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    1. Hallo Sabine!
      Ich weiß, was du meinst. Manchmal habe die Bücher ein bisschen ihre Längen. Aber wie ich oben schon schrieb. Dennoch wurde es mir nie langweilig und wenn man sich auf die "persönlich-privaten Zwischentöne" einlassen kann, dann bleibt es sogar auch zwischendrin eigentlich ganz spannend...
      Ich habe mich von Buch zu Buch mehr reingefunden. :-)

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