Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Samstag, 29. März 2014

LITERATURVERFILMUNG: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand [Film-Kritik]

Anfang Februar habe ich euch meine Rezension zur ungekürzten Hörbuch-Fassung von Jonas Jonassons »Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand« vorgestellt. 
Nach dem großen Erfolg wurde der Weltbestseller nun auch verfilmt und ist seit dem 20. März in den deutschen Kinos zu sehen. Ein Anlass euch nun heute mal keine Buchrezension, sondern eine kleine Film-Kritik zur Abwechslung zu präsentieren. 

(Bildquelle: www.kino.de)

Der Film

Allan Karlsson (Robert Gustafsson) hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. 

Doch anstatt sich auf die geplante Geburtstagsfeier zu freuen, verschwindet er lieber kurzerhand aus dem Altersheim und macht sich in seinen Pantoffeln auf den Weg zum örtlichen Busbahnhof.
Raus aus der Langeweile und rein in ein neues Abenteuer, dass ist Allans Ziel. Während seiner Reise kommt er erst zu einem riesigen Vermögen, findet neue Freunde und trifft auf Gauner, Ganoven und Kriminelle, bevor er sich mit Elefantendame Sonja auf den Weg nach Indonesien macht. 

All das ist für Allan aber schon lange nichts Besonderes mehr, hat er doch die letzten 100 Jahre maßgeblich dazu beigetragen das politische Geschehen in der Welt unbewusst auf den Kopf zu stellen...
           

Weitere Informationen zum Film finden sich auf der deutschen Website zum Film.


Der Trailer



Mein Fazit

Von der »Deutschen Film und Medienbewertung« (FBW) erhielt der Film das »Prädikat besonders wertvoll«. Warum dem so ist, das bleibt für mich nach einem Besuch im Kino leider nur wenig nachvollziehbar. In der Jury-Begründung heißt es abschließend, Felix Herngren sei "eine kongeniale Adaption des Bestsellers gelungen. Trotz der Fülle an Episoden, Figuren und Spielorten zerfällt er nie in seine Einzelteile, sondern wirkt wie aus einem Guss."

Mich konnte der Film nicht begeistern. Im Gegenteil, vom Buch hellauf begeistert, war ich nach dem Film maßlos enttäuscht. Was die FBW-Jury als eine "kongeniale Adaptation" rühmt, zeigte sich mir eher als eine leider nur äußerst schlechte Umsetzung eines Buches, dass auf über 400 Seiten eine hundertjährige Lebensgeschichte erzählt, die hier - von der daneben stehenden Gegenwartshandlung ganz zu schweigen - in knappen 115 Minuten auf die Leinwand gepresst wird. Wie sooft, kann auch hier der Film dem Buch nicht einmal in Ansätzen gerecht werden. 
Die äußerst amüsante, oft subtil komische Erzählweise Jonassons, die das Buch so einzigartig macht, kann im Film kaum wiedergegeben werden. Zugegeben, auch der Film steckt voller Situationskomik, doch allzu oft auch einfach nur voller plattem Klamauk und die Lacher, die der Film bei mir erzeugte, entstanden zu häufig nur aus der Kenntnis des Buches und dem Wissen, was denn nun eigentlich hinter dem auf der Leinwand abgespielten Witz steckt.

Zudem bleibt der Film natürlich auch hinter dem Buch zurück, was die eigentliche Handlung betrifft. Denn erwartungsgemäß kann die oben bereits erwähnte hundertjährige Lebensgeschichte nun mal nicht mit all ihren Facetten und Einzelheiten Platz finden, in einem auf knapp zwei Stunden reduzierten Film. So fehlten letzten Endes doch viele Einzelheiten und oft gerade die "liebenswerten Details", welche das Buch zu dem Erfolg gemacht haben, der es nun mal ist. Für Zuschauer, welche das Buch nicht kennen, hat dies sicher keinen Unterschied gemacht. Für diejenigen, die das Buch aber gelesen haben, ist es ein entscheidendes Manko. So wirkte der Film auf mich leider allzu oft als eine durchgehetzte Aneinanderreihung von "Geschichtsepochen" und Lebenserlebnissen Allan Karlssons. Immer wieder entstand bei mir der Eindruck, dass ich das ein oder andere gerade nur verstanden habe, weil ich das Buch kenne, dass sich jemandem, der die Geschichte noch nicht kennt, vieles der Handlung gar nicht erst erschließt.

Einen großen Pluspunkt hingegen, möchte ich dennoch an den Darsteller vergeben, der den Hundertjährigen verkörpert. Der schwedischen Komiker Robert Gustafsson spielt den leicht naiv-schrulligen Allan Karlsson genau so, wie wir ihn uns aus dem Buch vorstellen. Zudem ein großes Lob an die Maske, denn es ist kaum zu glauben, dass wir es während des gesamten Films immer mit dem gleichen, heute knapp 50-jährigen Darsteller zu tun haben, egal ob wir nun den 20-, 60- oder 100-jährigen Allan auf der Leinwand sehen.

Mein Fazit im Großen und Ganzen fällt also eher "mau" aus. Wer billigen Klamauk liebt, der ist hier sicher nicht verkehrt. Wer jedoch das Buch gelesen hat, von der brillianten und facettenreichen Erzählweise begeistert war und auf eine ebensolche Umsetzung der Erzählung von Allan Karlssons Lebensgeschichte auf der Leinwand hofft, der wird am Ende sicher enttäuscht sein.
Ich würde mir den Film nicht noch mal ansehen.

Meine Empfehlung:
Lieber Buch als Film!  

Zu meiner Rezension des Hörbuchs geht es HIER.
  



Wie ist es, hat von euch jemand den Film schon gesehen? Wie hat er euch gefallen? 
Wenn ihr den Film schon kennt, würde ich mich über eure Meinung freuen. Hinterlasst doch einfach unten einen Kommentar! 



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