Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Samstag, 24. Januar 2015

NICOLE NEUBAUER: Kellerkind [Rezension]

Und gleich in zwei meiner diesjährigen Lese-Challenges wieder einen Schritt nach oben auf der Leiter gemacht!   :-)

(Bildquelle: Verlagsbild blanvalet)

Genre:

Kriminalroman

Kurzinfo:

"Er sagt, er kann sich an nichts erinnern. Doch an seinen Händen klebt Blut ...

Die erfolgreiche Anwältin Rose Benninghoff liegt mit durchschnittener Kehle in ihrer Designerwohnung. Im Keller des Hauses kauert der vierzehnjährige Oliver Baptiste, sein Körper mit Blutergüssen übersät, seine Hände blutverschmiert. Er kann sich an nichts erinnern. 


In einem klirrend kalten Jahrhundertwinter nimmt der Münchner Hauptkommissar Waechter mit seinem Team die Jagd nach dem Mörder auf. Doch bald verschwimmen die Grenzen zwischen Tätern und Opfern immer mehr, und die Ermittler stoßen auf ein altes Verbrechen, das nie gesühnt wurde, und das seine Schatten bis in die Gegenwart wirft ..." (Quelle: Verlagstext blanvalet)

Taschenbuch, Klappenbroschur
Erschienen im blanvalet Verlag
Erhältlich als:
- Taschenbuch (Klappenbroschur)
- eBook
- ungekürzte Hörbüchfassung (Download & MP3-CD)

Diese Neuerscheinung wurde mir freundlicherweise vom blanvalet Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


Über die Autorin:

© Susanne Krauss
Pressefoto blanvalet
"Nicole Neubauer ist 1972 in Ingolstadt geboren und studierte englische Literaturwissenschaft und Jura in München und London. Nach zehn Jahren in einer Wirtschaftskanzlei arbeitet sie freiberuflich als Autorin, Rechtsanwältin und Lektorin. Sie ist Mitglied der »Mörderischen Schwestern e.V.« und der »Autorinnenvereinigung e.V.«. Nach »Kellerkind« ist »Moorfeuer« der zweite Roman um Hauptkommissar Waechter und sein Team.
Nicole Neubauer lebt mit ihrer Familie in München im Herzen Schwabings.
"
(Quelle: Autoren-Info blanvalet)

Viele weitere interessante Infos zum Buch, über die Autorin und nicht zuletzt auch zu ihrem Ermittlerteam finden sich auf der Homepage zum  Buch. 
Dort findet ihr außerdem auch ein spannendes Gewinnspiel.



Lese- & Hörprobe:

Die Leseprobe bei blanvalet gibt es HIER
Zur Hörprobe bei audible.de geht es HIER.

Mein Fazit:

Ein eher langsames Buch... Trotzdem ebenso spannend wie berührend! 
Das Erstlingswerk von Nicole Neubauer ist ein Buch, welches das Leserherz nicht unbedingt im Sturm erobert. Woran das liegt? So genau kann ich es noch gar nicht sagen. Es ist spannend, lädt den Leser immer wieder zum Weiterlesen ein. Dennoch ist es ein "langsames" Buch. Kein rasanter Thriller, voller Tempo, ständigen unerwarteten Wendungen und nervenzerreißenden Spannungsspitzen. 
Aber genau das sagt die Coverbeschriftung ja schon aus. Es handelt sich bei »Kellerkind« um einen "Kriminalroman" und eben nicht um einen "Thriller". Vielleicht hat mir die Autorin mit ihrem Krimi-Debüt nun endlich den Unterschied zwischen genau diesen beiden Genres aufgezeigt.

Doch heißt das bei weitem nicht, dass »Kellerkind« kein spannendes Buch wäre. Im Gegenteil, die Spannung ist hier aber eher subtil, entwickelt sich langsam, kriecht eher "wie ein Reptil" in den Kopf der Leser. Ein Vergleich, der sich mir hier aufdrängt, was ihr aber erst nach der Lektüre dieses Buches wirklich verstehen werdet. Mehr hierzu kann ich an dieser Stelle leider nicht verraten. 
In jedem Fall vermute ich, dass »Kellerkind« die Leserschaft eher spalten wird. Die einen werden es sicher fantastisch finden, die anderen wird es vermutlich enttäuschen. Ich gehöre wohl eher zu den Menschen, die sich von diesem Buch begeistern lassen. Doch auch bei mir hat sich das mit dem Lesen erst entwickelt.

Anfänglich kommt das Buch nur langsam in Gang, die Handlung nimmt eher verhalten Fahrt auf und auch die Protagonisten gewinnen zunächst nur sehr zögerlich an Gestalt. Die Beziehung zwischen Leser und Protagonisten braucht eine Weile. So auch bei mir, fiel es mir schwer, die verschiedenen Personen, insbesondere die beiden Hauptermittler einzuschätzen. Sonst eigentlich eher ein Fan von rasanten Thrillern, war ich eine ganze Weile hin- und hergerissen, ob mich das Buch, dieses neue Ermittlerteam und die eher langsam voranschreitende Handlung begeistern können. Doch je weiter ich mit »Kellerkind« vorankam, desto mehr zog es mich in seinen Bann. Und letzten Endes war es genau diese subtile "langsame Spannung", die mich immer wieder dazu trieb weiterzulesen und herausfinden zu wollen, wer denn nun eigentlich tatsächlich der Böse ist und was hier genau vorgefallen war.  

Denn genau dies verbirgt die Autorin höchst geschickt. Nichts ist letzten Endes, wie es scheint. Und obwohl sie nahezu ohne die -von vielen Autoren sonst so oft bemühten- unerwarteten Wendungen auskommt, so bleibt der Leser doch bis zum Ende im Ungewissen, wer denn nun der Täter ist. "Kann es vielleicht doch sein, dass es...??", "...oder war es eben doch...??" All diese Überlegungen des Lesers beantwortet Nicole Neubauer erst ganz zum Schluss und doch ergibt am Ende alles ein logisches Ganzes.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist, nicht generell aber immer wieder stellenweise, die doch zum Teil ein wenig eigenwillige Sprache der Autorin. Ich bin nicht so ein Fan von "Regionalkrimis" und bin mir auch nicht sicher, ob »Kellerkind« überhaupt diesem Genre zugezählt werden soll. Dennoch ist dem Buch an der ein oder anderen Stelle eine gewisse "Regionalität" in der Ausdrucksweise der Autorin (und damit meine ich nicht die wörtliche Rede der Protagonisten) nicht abzusprechen. An anderen Stellen wiederrum "schreibt" sie ein wenig "um die Ecke", so dass ich ab und an schon ein zweites Mal nachlesen musste, um mir klar zu werden, was genau hier nun gemeint war. Das ist jedoch sicherlich Geschmackssache. Es hat mich nicht über die Maßen gestört und würde mich nicht von der Lektüre weiterer Bücher der Autorin abhalten. Eines ihrer Lieblingswörter scheint zudem "Paralleluniversum" zu sein, denn dieser Ausdruck begegnete mir häufiger bei der Lektüre.

Etwas, dass ich aber dennoch vermisst habe, war ein gewisser Tiefgang bezüglich der durchaus schweren Grundthematik, welche sich im Laufe des Buches herauskristallisiert und insbesondere am Ende des Buches in ihrer ganzen Tragweite deutlich wird. Ein Thema (zu dem ich hier leider nicht deutlicher werden kann, ohne die Spannung zu verderben), welches berührt, aber trotz allem im Fortgang der Handlung ein wenig an Tiefe und Gefühl vermissen ließ. Zwar hat die Autorin das Thema behutsam und mit sehr viel Respekt in ihre Story eingebettet, dennoch war die Emotion, das Entsetzen, welches die "letztendliche Offenbarung" des Ganzen hätte erwarten lassen, für mich nur sehr begrenzt zu spüren. Hier hätte ich mir vielleicht einen Ticken mehr erhofft.

Alles in allem muss ich aber sagen, hat mich das Erstlingswerk Nicole Neubauers tief in seinen Bann gezogen und es ist für mich eines dieser Bücher, welche nachwirken müssen, ihre ganze Tiefe und Ausdruckskraft erst zum Ende der Lektüre oder gar erst einige Tage danach im Rückblick entfalten. Eines ist gewiss. Auch den zweiten Band um Waechter und sein Team werde ich mir ganz gewiss nicht entgehen lassen.

FAZIT:
Ein nicht ganz alltäglicher Krimi, der seinen Glanz nur langsam entfaltet, dann aber umso lesenswerter ist.
*4 Sterne*


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