Zitat und Einführung


"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen."
Friedrich Nietzsche

Samstag, 13. Juni 2015

SAMUEL BJØRK: Engelskalt [Rezension]

(Bildquelle: Verlagsbild Goldmann Verlag)

Genre:

Thriller


Kurzbeschreibung:

"Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, das mit einem Springseil an einem Baum aufgehängt wurde und ein Schild um den Hals trägt: „Ich reise allein.“ 
Kommissar Holger Munch beschließt, sich der Hilfe seiner Kollegin Mia Krüger zu versichern, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen.
Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen, um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Opfer bleiben wird ..."
(Quelle: Verlagstext Random House/Goldmann)

Taschenbuch, 544 Seiten, Goldmann Verlag
Erhältlich als:
- Taschenbuch
- ungekürzte Hörbuchfassung (MP3-CD & Download)
- eBook

Über den Autor:

"Hinter dem Pseudonym Samuel Bjørk steht der norwegische Autor, Dramatiker und Singer-Songwriter Frode Sander Øien. Er wurde 1969 geboren, schrieb im Alter von 21 Jahren sein erstes Bühnenstück und veröffentlichte seitdem zwei hochgelobte Romane sowie sechs Musikalben. Sein erster Thriller, „Engelskalt“, wurde ein Bestseller. Derzeit lebt und arbeitet er in Oslo."
(Quelle: Autoren-Info Random House/Goldmann)

Ein Interview mit dem Autor findet ihr HIER.


Hör- & Leseproben:

Zur Hörprobe zum Hörbuch bei audible.de geht es HIER.
Eine Leseprobe gibt es bei Random House / Goldmann: HIER 



Mein Fazit:

Tolle Story, interessante Charaktere, leider etwas langatmig umgesetzt...
Ich bin wieder einmal sehr hin und her gerissen, insbesondere die zahlenmäßige Sterne-Bewertung fällt mir schwer. Einerseits hat mich das Buch sehr gefesselt und ich hatte (fast immer) das Gefühl, weiterlesen zu müssen und erfahren zu wollen, wie es denn nun ausgeht.
Zum anderen gab es aber auch einige Schwachstellen, die mich sehr gestört haben.... 

Zuerst einmal, die Story hat es in sich! Wie eigentlich fast immer, wenn es um Kinder geht. Das hat sich auch der Autor von »Engelskalt« zu Nutze gemacht, denn hier geht es ebenfalls um Kindermorde. Klar, das die Story schon allein deswegen unter die Haut geht.
Insgesamt hat die Geschichte sehr viel Potential und ist in meinen Augen auch recht gut umgesetzt. Einzig und allein ist dabei das ein oder andere für meinen Geschmack doch sehr lang geraten. Kürzer wäre dabei sicherlich oft mehr gewesen.

Auch das Konzept der Hauptcharaktere ist nicht ganz neu. Ein in Ungnade gefallener Ermittler, der nun eine Chance zum Comeback wittert. Seine Kollegin mit einer privaten, wie beruflichen Tragödie, die eigentlich mit allem - inklusive ihres Lebens - abgeschlossen hat, nun aber, ausgelöst durch ein kleines Detail der aktuellen Geschehnisse den Entschluss fasst, ein letztes Mal in Aktion zu treten. Natürlich mit dem festen Vorsatz, dass dies eine wirklich die letzte Ausnahme und danach alles vorüber ist. Trotzdem tut dieses nicht ganz neue Konzept der Story keinen Abbruch. Im Gegenteil, mir waren die beiden Protagonisten äußerst sympathisch, sie hatten Profil und sind darum für den Leser interessant.

Was mir nicht so sehr gefallen hat, war der Schreibstil. Ob es nun der tatsächliche Stil des Autors selbst oder vielleicht doch die Übersetzung ist, vermag ich natürlich nicht genau zu sagen. Der Text ist jedenfalls sehr häufig in kurzen und einfachen, oft unvollständig oder abgehakt wirkenden Sätzen aufgebaut. Einerseits macht es das dem Leser leicht, bringt ihm die Geschehnisse auf eine besondere Art und Weise nahe, da sich der Text wie umgangssprachliche "Gedanken" liest. Doch auf Dauer fand ich das Ganze dann stellenweise auch etwas nervig. Ein wenig mehr "Eloquenz", wenn man es so formulieren mag, hätte dem Text da sicher auch nicht geschadet. 
Zudem lässt sich der Autor unglaublich viel Zeit, seine Charaktere zu zeichnen, ihnen ein Gesicht und Tiefe zu verleihen und seine Story aufzubauen. So dauert es - mal abgesehen vom anfänglichen Leichenfund - doch geraume Zeit, bis die Geschichte so richtig ins Rollen kommt und die Spannung sich aufbaut. So muss ich schon wieder meinen Spruch "weniger wäre hier mehr gewesen" bemühen. Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen. 

Das Ende hingegen war mir dann allerdings, nachdem sich der Autor zu Beginn so viel Zeit für Aufbau der Story und der Charaktere gelassen hat, ein wenig überstürzt und etwas dünn. Zwar löst sich natürlich am Schluss alles logisch auf und alle Puzzle-Teile greifen ineinander. Trotzdem war ich irgendwie enttäuscht.

Doch möchte ich eigentlich auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich das Buch nicht gut fand. Wenn ich das oben Geschriebene lese, bekomme ich selbst den Eindruck, an dem Buch sei alles schlecht gewesen. Nein, so ist es nicht. Es gibt die Punkte, die mich gestört haben, doch hat das Buch trotzdem "irgendwas", das mich durchaus sehr fasziniert hat. Ich kann es nur leider nicht benennen. Mag es etwas Atmosphärisches sein, einfach ein Gefühl, eine gewisse Spannung, die mich doch gefesselt und dazu getrieben hat, weiter zu lesen. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich ein Gefühl von "Das Buch gefällt mir nicht". Im Gegenteil. Ich hatte Spaß beim Lesen, ich war gefangen in den Geschehnissen.

Genau darum fiel es mir sehr schwer, das Buch auch "in Sterne zu fassen". Aber es muss ja nun mal sein. Und so schwanke ich zwischen 3 Sternen auf Grund des Schreibstils, der teilweisen Langatmigkeit und des in meinen Augen etwas dürftigen Endes und 4 Sternen für die durchaus packende Story, die Spannung und das Potenzial der Geschichte, welches der Autor zwar leider nicht immer genutzt, aber insgesamt doch ganz gut zur Geltung gebracht hat.
Insgesamt also keines meiner Highlights dieses Jahr. Im Großen und Ganzen hat es mir aber doch gut genug gefallen, um sagen zu können, dass ich auch dem nächsten Buch des Autors eine Chance geben werde. 
Und so sagt mir mein Bauchgefühl, das 3½ Sterne eigentlich zu wenig sind, für 4 Sterne reicht es mir aber eben definitiv auch nicht. Also, gibt es für »Engelskalt« heute erstmals eine absolute Neuheit auf Tom´s Lesewelten. Ich vergebe einen zusätzlichen ¼ Stern. Dies wird aber sicher auch in Zukunft eine Ausnahme bleiben, welche in diesem Fall einfach meiner "Not der Bewertung" entspringt.... ;-) 

FAZIT:
Nicht das Thriller-Highlight des Jahres, dennoch recht lesenswert mit Potenzial für mehr....
*3¾ Sterne*


Und auch mit »Engelskalt« klettere ich wieder einen weiteren Schritt nach oben in meiner Lesechallege! :-)

1 Kommentar:

  1. Mir ging es ähnlich! Ich tat mit mit meiner Bewertung sehr scher und habe dann 4 Sterne vergeben.
    Liebe Grüße
    Martina

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